Der Artikel "Al schreib mal wieder" war grundsätzlich zur publikation im deutschen "California Saga" Heft geplant. Nachdem Al Jardine allerdings mitteilte, dass das Album "Postcards from California" vermutlich am "Tag der Arbeit" veröffentlicht wird, verließ mich der Mut da ich mir dachte: "Das würde nicht gut aussehen, wenn die Leute diesen Artikel lesen wenn das Album schon veröffentlicht ist". Tja, leider hat sich Al´s Ankündigung nicht bewahrheitet. Wir warten immer noch auf das Album und deshalb ist der Artikel hier nachzulesen.

 

 

 

Al schreib mal wieder oder

Die unendliche Geschichte um Al´s Soloalbum

von mg/bbg

 

Das Soloalbum von Al wurde bereits behandelt – aber wir warten immer noch darauf. Eventuell ist es an der Zeit, das in fast in Vergessenheit gekommene Spätwerk noch einmal zu besprechen. Denn ein Werk von Al würde vermutlich solide Qualität bedeuten. Unumstritten hat Al, im Gegensatz seiner früheren Beach Boys Kollegen, seine Stimme erhalten. Das Leben auf seiner Farm in Big Sure im Norden Kaliforniens scheint ihm gut zu bekommen.

 

Bereits im Jahr 2006 kündige Al sein Soloalbum an. Um „an seinem Soloalbum zu arbeiteten“ benutzte er auch als Grund, um die gemeinsame Europatournee mit Brian Wilson platzen zu lassen.

 

Letztes Jahr im November, beim alljährlich stattfindenden Benefizkonzert der Carl Wilson Foundation, kündigte Al abermals an, dass das Werk kurz vor seiner Fertigstellung stünde. Die Reaktion des Publikums darauf? Es brach in schallendes Gelächter aus. Jetzt ist schon wieder ein Jahr rum und nichts hat sich getan.. Oder zumindest wenig.

 

Al stellte ein Video zur Verfügung, dass ihn bei den Aufnahmen zu seiner Version von Help me, Rhonda zeigt. Einmal abgesehen davon, dass er mich durch seine Mimik und Gestik eher an Frank Zander erinnert, der für Oma Krause sein Geburtstagsständchen singt, kann die Version von Al aber auch musikalisch nicht mit dem Original mithalten. Auch „Gast“ Steve Miller kann das nicht abändern.

 

Ein zweites Stück – das Titelleid seines Albums Postcard from California – ist ebenfalls zugänglich. Zumindest mit etwas gutem Willen, einem Aufnahmegerät und etwas Schneidearbeit am Computer, kann man die verschiedenen Häppchen die Al über seine Webseite zur Verfügung stellt, zum endgültigen Produkt zusammensetzen. Er legte das Puzzle, ein anderer setzt es zusammen. Zumindest meine Ohren wollen im Refrain eine Ähnlichkeit mit dem Klassiker „City of New Orleans“ erkannt haben. Und da die Strophe ähnlich jener von Risinton Cowboy klingt erscheint die Wahl von Glen Cambpell als Gastsänger schon einmal als Glücklich – nach dem Motto, wenn man schon von jemanden inspiriert wird, kann dieser auch gleich mitsingen. Weitere Coverversionen von California Dreamin und Honking down the highway lasse ich einmal vorne weg. Es sind solide arbeiten, wie man sie von Al erwartet. Aber auf diesem Album gibt es auch Dinge, welche die Herzen der Beach Boys Fans noch einmal kurz erfreuen.

 

„Don´t fight the sea”. Erinnern wir uns, ein Stück das Al in den 1980ern schrieb, wohl für ein damals geplantes Konzeptalbum. Dieses Lied bringt eine kleine „Reunion“ mit sich. Neben Al ist ebenso die damalige (Demo)Gesangsspur von Carl Wilson auf der Aufnahme zu hören. Zudem traten auch Brian Wilson und Mike Love die Reise nach Big Sur an um auf genau jenem Lied mitzuwirken. Vier Beach Boys auf diesem Stück. Bruce nahm die ausgebliebene Einladung von Al, ebenfalls daran mitzuwirken, übrigens nach außen hin sportlich.

 

Es gibt sogar noch weitere Einlagen mit Beach Boys bezug. So hat Brian Wilson noch Gastspiele bei den Liedern „Drivin´“ und „Honking down the highway“ und David Lee Marks verziert das Album durch sein Gitarrenspiel.

 

 

Weitere Prunkstücke?

 

 

 

Mir persönlich hat diese wunderschöne Ballade sehr imponiert welche den Titel „And I always will“ trägt. Al gibt natürlich offen zu, dass er bei diesem Lied abermals Anleihen in der Klassik genommen hat – nein, dieses Mal nicht bei Bach. Meine Ohren wollen die Melodie aus der Etude Opus 10 von Chaupin identifiziert haben, aber da lasse ich mich gerne verbessern.

 

All diese Gaststars auf Al´s Album: Brian Wilson, Mike Love, David Lee Marks, Neil Young, Steve Miller, Stephen Stills, Gerry Beckley, Glen Campbell usw. zeugen von Al´s Kontakten in der Musikwelt. Die Kontakte dürften allerdings nicht zu den Bossen der Plattenfirmen reichen, was wohl auch ein Grund ist, warum Al noch immer versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen. Auch die kurzfristige Hoffnung, er könnte einen Plattenvertrag in Japan ergattern, hat sich leider schnell wieder verflogen.

 

Positiv zu erwähnen ist wohl die Sommer-Tournee die Al dieses Jahr bestreitet. Neben seinen beiden Söhnen Matt und Adam sind noch immer einige langjährige Musiker der Beach Boys Band dabei. Allen voran Ed Carter (von 1968 – 1996 mit den Beach Boys auf Tour), Billy Hinsche, Richie Cannata und natürlich Bobby Figueroa. Nach Titeln aus seinem Soloprogramm wartet man allerdings vergeblich.

 

Neben dem qualitativ ansprechenden, unveröffentlichten Soloalbum von Mike Love scheint leider auch Al´s Album nicht so zu laufen wie erhofft. Al sagte nun, er hoffe das Album doch noch Ende dieses Jahres veröffentlichen zu können. Und in letzter Konequenz bleibt wohl nur– wie bei Live in Las Vegas – eine Publikation über seine Webseite über.

 

 

Anmerkungen: "Beach Boys Germany" fragte bei Alan Jardine´s Mitarbeitern an, ob es Neuigkeiten zur CD gibt. Leider blieb die Email unbearbeitet