Symphonic Sounds of The Beach Boys

von Rocker

 

 

 

1998 produziert von Bruce Johnston. Gäste sind u.a. Mike Love, Matt Jardine, Adrian Baker und Tammy Trent, sowie natürlich Bruce selber. Bob Alcivar zeichnet für die Orchsetration
verantwortlich.

An sich eine sehr schöne Idee, aber wie nicht anders zu erwarten, hat man es sich  größtenteils wieder einfach gemacht und nichts weiter als die selben Lieder genommen, die auch in Konzerten zu der Zeit gespielt wurden (sprich die Oldie-Hits). Ausnahme is  vielleicht "Disney girls", welches Bruce hier neu eingespielt hat. Es gibt durchaus einige wunderschöne Momente in den Suiten, und "God only knows" gefällt mir unglaublich gut. "Darlin" (mit Matt Jardine am Gesang) is ebenfalls sehr toll.


Aber hier nunmal Track für Track:

1. Overture:
Gleich zu Beginn wird das Intro zu "California girls" (und welches Songfragment eines
Beach Boys-Songs würde sich besser anbieten für eine Einleitung mit Orchester?) absolut
lust- und lieblos gespielt. Es verliert sämtlichen majestätischen Klang des Originals. Es
folgen weitaus besser gelungene Teile aus Songs, wie z.B. "Sloop John b" (welches
natürlich nicht von den Beach Boys geschrieben wurde), "Please let me wonder", etc. Man
kann bis zum Schluss nicht groß was aussetzen an dieser Overtüre, aber der große
Minuspunkt kommt zum Schluss mit "Good vibrations". Man lässt das Cello genauso rocken,
wie auf der Originalaufnahme, dazu spielen die anderen Streicher aber die Thereminlinie
sehr getragen. Die Celli hätte man weglassen sollen, da so die ganze Schönheit der
Melodie zerstört wird, wenn man es auf diese Weise spielt. Schade...

2. Kokomo:
Eigentlich sollte so ein Symphoniealbum ja da sein, um die Lieder der Beach Boys auf
neue, andere Weise darzustellen, mal hier und dort einen Song und dessen Struktur soweit
zu bearbeiten, dass man andere Sichtweisen erhält, ohne dass die originale Kompostition
an sich verändert wird. Nun hat das aber anscheinend niemand der Verantwortlichen
verstanden. Ein erstes Beispiel dafür ist "Kokomo", welches instrumental kaum vom
Original zu unterscheiden ist. Das orchester spielt ledigilich ein paar Akkorde im
Hintergrund, aber ist insgesamt komplett nutzlos auf diesem Song, der sich sowieso nicht
für eine orchestrierte Fassung anbietet. Dummer Weise wird sogar die einzige Stelle
dieses Liedes, die sich für eine orchesterpassage eignet, nämlich das Solo, genau wie auf
der Hitversion von einem Saxophon gespielt, welches so extrem nach späten 80ern klingt,
wie man sich das nur denken kann. Mike's Gesang is sehr schön, die Backgrounds jedoch
schlecht, besonders im Vergleich mit der '88er Single.

3. God only knows:
Es hört sich genauso seltsam an, wie es sich liest, dass "God only knows" direkt hinter
"Kokomo" anklingt, aber da ich Letzteres sowieso meistens wegdrücke, is dies auch egal.
Und nun gehts mal los. Hier wurde das Orchester echt mal gut benutzt. Ein sehr schönes
Arrangement mit einem hübschen Gesangspart von Tammy Trent. Ab und an klingt diese
Version für mich schon leicht psychedelisch im Mittelteil. Nicht so gut gemacht ist das
Outro, für welches man Trent zwei Stimmen hat singen lassen. Klingt langweilig und auf
Dauer auch nervig, da ohne Emotion gesungen. Das hätte man anders machen sollen.
Ansonsten höre ich diese Version allerdings sehr gerne und gehört zu meinen
Lieblingsstücken dieser CD.

4. Wouldn't it be nice:
Oh nein. Das darf nicht wahr sein. Nicht nur, dass das originalarrangement einfach mehr
oder weniger 1:1 nachgespielt wird, eben nur mit nem Orchester (und das gar nicht mal so
gut), irgendwer hat sich einfallen lassen, einer verdammt beschissen klingende E-Gitarre
für die Melodie zu benutzen. Nicht nur, dass sie nicht in die Soundlandschaft
hineinpasst, sie hat auch diesen dämlich klischeehaften Verzerrer einer Karaokeband.
Spätestens hier muss man Bruce, als Produzent für den Sound verantwortlich, Vorwürfe
machen, gelinde ausgedrückt. Schlecht, richtig schlecht. Es sind Stücke wie dieses, die
die CD auf das Niveau eines Tankstellenshopalbums ziehen.

5. Disney girls:
Bruce singt hier sein "Disney girls" vom "Surf's up"-Album erneut ein. Selbes Arrangement
und genau wie bei "Kokomo" is das orchester kaum wahrzunehmen, da es nichts eigenes
bringt. Letztendlich kann man auch die Originalversion des Liedes nehmen und mit nem
Keyboard zu hause Streicher drüber legen. Das Ergebnis bleibt gleich. Lieblos und
einfallslos.

6. Darlin' :
Hier wurde mal ein bisschen nachgedacht. Matt Jardine bringt einen sehr schönen Lead über
einen Instrumentaltrack, der Originalparts zum Teil sehr schön auf verschiedene
Instrumente aufteilt. Störend allerdings wieder das Saxophonsolo. Nach dem Outro gibts
einen versteckten Abschnitt mit unsinnigem Gedudel, das wahrscheinlich aufgenommen wurde,
als die Musiker ihre Instrumente stimmten, einspielten, etc. Anscheinend wollte Bruce
hier einfach die Beatles imitieren, die einen genauso unsinnigen, dafür aber aus eigener
Kreativität stammenden Part am Ende ihres "Sgt. Pepper"-Albums einfügten

7. (Just for fun...) All Surf !! :
Ich frage mich immer wieder, wie Bruce, der als ein hervorragender Klavier- und
Orgelspieler gilt (wozu ich keinen Grund habe dran zu zweifeln), so wenig Gespür
(wohlgemekrt, ich sagte Gespür, nicht Ahnung) für Rock- und Popmusik haben kann. Auf den
Track gehe ich nicht weiter ein, da  er es nicht verdient hat auch nur ein weiteres Mal
in den nächsten 50 Jahren erwähnt zu werden.

8. The warmth of the sun:
Jetzt isses soweit, der Song beginnt wunderschöne mit einer Orchestereinlage, geht dann
aber in ein weiteres von Adrian Baker unsäglichen Acapellaarrangements über. Wie immer
übertreibt Baker bis zum Geht-nicht-mehr und zerstört auf die ihm eigene Weise eine
weitere Melodie, die nicht mehr auszumachen ist. Im Laufe des Tracks legt es sich
glücklicher Weise, aber was soll man sagen? Seine Stimme ist einfach nicht gut genug und
mit Emotion singen kann er anscheinend einfach nicht. Ich frag mich warum es so lange
gedauert hat, bis ihm mal jemand gesagt hat "Junge, du bist scheiße"... Naja, was solls...

9. The water planet suite:

Hier kommen wir nun zum Höhepunkt des ganzen Werks. Eine 23-minütige Suite, die
verschiedene Teile von BBs-Liedern versucht auf orchestrale Weise umzusetzen (wie in
kürzerer Fassung, die Overtüre). Hier finden sich einige absolut wunderschöne Momente,
wie z.B. die Solobratsche auf "Surfer girl", das sehr getragen, melancholisch gespielte
Intro zu "Wouldn't it be nice" oder die mit Bläsern besetzte, kräftig nach oben dringende
Melodie von "You still believe in me". Ja verdammt, so hätte das ganze Album klingen
sollen, nein, müssen ! Selbstverständlich gibt es auch hier Ausreißer, wie z.B. "Good
Vibrations". Sehr schön anzuhören ist zwar, wie die Melodielinien von Gesang und Bläsern
des Originals der langsamen ersten Passagen, zusammenkommen, aber danach kommt das
altbekannte Problem. Der Versuch, eine 1:1 Kopie zu erstellen, eben nur mit den
Instrumenten eines Orchesters. Zusätzlich swingt hier überhaupt nichts. Man merkt, dass
die Musiker einfach nur die Noten ablesen und spielen. Als Produzent wäre es Bruce's
Aufgabe gewesen, sie anzuleiten mit mehr Gefühl zu spielen. Gleiches gilt auch für die
anderen totalen Stinker dieser Suite, "Help me Rhonda" und "All summer long".

Ich muss gestehen, dass ich mir diese CD durchaus öfter mal anhöre, dank der starken
Momente, aber im Großen und Ganzen ist es echt billig und entspricht voll dem Klischee,
das man von Arbeiten hat, auf denen ein Orchester die Lieder bekannter Bands nachspielt.
Man kann auch nicht nur Bruce die Schuld geben, sondern auch Bob Alcivar, der für die zum
Teil ideenlosen Orchesterarrangements verantwortlich ist. Es wäre jedoch Bruce's Aufgabe
gewesen, bessere Arbeit zu verlangen um diese dann auch umsetzen zu können. Nun is zu
spät. Mal wieder eine Chance, die gehörigst versemmelt wurde. Jedoch muss man sagen, dass
das Cover sehr gut zum Inhalt der CD passt. Belanglose, unpassende und nicht in die wahre
Komplexität der Materie eingehende Klänge, die durchaus auch ein Amateurmusiker auf die
Reihe bekommen hätte.

Will man ein wirklich gelungenes und kreatives Werk hören, auf denen ein Künstler seine
Lieder für ein Orchester neu interpretiert, bzw. arrangiert, is das Jan&Dean-Album "Pop
symphony no.1" zu empfehlen. Das is wirklich großartig !