The Beach Boys in Bad Seeberg 1987

Notizen am Rande des Geschehens

Von Michael Osterkamp

 

 

22.07.1987, 9:00 Uhr. Der Tag der Freaks ist angebrochen. Kein Weg ist zu weit – was sind schon ca. 600 km von Steinheim (Hessen) bis BS? VERDAMMT VIEL, wäre da nicht der Familienclan um Surfin Peter Kronhagel (also Gattin Gabe und Cousine Petra): Die BBS Freaks aus der Gegend von Ludwigshafen sorgen für den Tür zu Tür Transport des Berichterstatters. Eine kurzweilige sieben Stunden Fahrt mit Staus, Regenschauern, Pfälzer Weck, Worscht und Bier. Und BBS Liedern in einer Lautstärke, dass einem die Ohren wegfliegen. ...

 

Ankunft am Luxushotel B 404 gegen 16:30 Uhr. Siehe da, schönes Wetter und eine Anzahl junggebliebener Herren in sehr vereinzelter Damenbegleitung auf der Terrasse von „B404“: Das müssen die CSler sein. Je näher wir kommen, desto klarer wird’s: BBS T-Shirts, wohin man blickt...Zimmerverteilung: mein Zimmergenosse für die Nacht wird Buggel Hendrich Schulte, der wenig Verheißungsvolles für die Nacht im Hotelbett prognostiziert. ´Da er bereits eine Nacht im B404 verbracht hat, weiß er um die Bettbwohner. Kleine rote Tierchen. Noch ein schnelles Bier, dann geht’s in die Westernarena,. Viel Verkehr. Auf dem Parkplatz Nummernschilder aus der ganzen BRD, vereinzelt DKLer. Und immer noch kein Buggy mit nem Surfbrett gesichtet...Ebenso versteckt bleiben Konzertplakate – es wird tatsächlich keine irgendwo aufgehängt. Komisch, Vor der Arena ist lediglich ein Transparent auszumachen, was auch die Indianertänze der Karl May Spiele aufmerksam macht... Der Boss und CS-Editor Heinz D. hat mittlerweile seine Schäfchen verlassen und eilt hinter die Bühne, dank seinem Superspezialüberallhindürfpass. In seiner mit diversen Stickern verzierten Plastikmappe, die ihm noch mehr Gewicht (aham) und Autorität verleiht, befinden sich einige Plattencover zum Signieren... 18:20 Uhr: Öffnung der Tore, Gesittetes Geschubse des doch eher gesetzten Publikums..19 Uhr: die Plätze sind eingenommen. Noch ein Bier, noch ´ne Pfälzer Worscht...

 

20: Uhr: Die Vorgruppe fängt an zu spielen. Der Name ist mir leider entfallen. Ich kämpfe mich aufs WC (natürlich ganz oben) und komme kaum mehr herunter. An den Eingängen ist immer noch reger Verkehr. Wo sollen all die Leute noch Platz finden? Es ist knallvoll – CSler und andere kaufen BBS-Konzertplakate (8 DM) und Aufkleber (2 DM). Letztere haben das Format einer Eintrittskarte... 21:23: Die Plätze sind wieder eingenommen, ein letztes Konzertbier dem zitternden Bierverkäufer abgekauft. Wir sitzen rechts von der Bühne und tatsächlich. Da kommen sie. Die rechte Hälfte der Arena fängt an zu johlen. Carl Wilson winkt zurück. 21:27 Uhr. Die ewigen Surfer stehen auf der Bühne. Alan ist weder jünger noch größer geworden – nunja, wer wird das schon. Mike ist von Kopf bis Fuß in Nike eingekleidet, knallblau übrigens. Bruce in Bermudas wirkt fit und entspannt und Carl ist nicht mehr ganz nüchtern (aber wer ist das schon an einem solchen Abend?). Wie eingeweihte wissen, dressed ganz in weiß.

 

Die nächsten eineinhalb Stunden sind einfach gut. Harmonien gleiten durch die Arena, die ewigen Hits ziehen halt immer noch und bei „Surfer Girl“ darf Heide auf die Bühne... wo ist Brian??? Weder ist er auf der Bühne noch wird sein Name überhaupt einmal erwähnt. Schade,. Ich habe schon viele Konzerte gesehen: Stones, Kinks, Chicago, Elo, Santana etc. etc. – aber eine solche Begeisterung habe ich noch nie erlebt. Das Publikum johlte, klatschte, sang mit, Wunderkerzen überall. Bei vielen Liedern – ein Erlebnis. Die drei jungen Damen neben mir waren begeistert. Sie kamen übrigens aus dem Müttergenesungsheim (kein Scherz)... Konzert aus, dieses mal Stimmung gut, zurück ins B404, dann in die Schackendörfer Dorfschänke zum gepflegten Umtrunk... 

 

Holger gewann das Herz der proppernen Bedienung wie im Flug und fand gefallen an der Vino Della Casa. Der Rest besieht sich die vom Boss mitgebrachten Souvenirs (Trommelstöcke, Autogramme, auch meine Single ist signiert – von den Begleitmusikern) und lauscht hingerissen seinen „aus erster Hand“ berichten.