Aus anderer Sicht

 

Natürlich kann man die Beach Boys in verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Einerseits haben sie sehr viel zum Emanzipation der Gruppen und Bands beigetragen. Ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt. Die Beach Boys unterlagen mit ihrem ersten Plattenvertrag im Jahre 1962 dem üblichen „Knebelvertrag“ bei welchem die Plattenfirma das Sagen hatte. Sie kämpften Jahrelang für höhere Tantiemen, mehr Zeit für Aufnahmen, Wahl des Studios und die Möglichkeit sich selber zu produzieren.

 

Gerade ihr Vater und erster Manager Murry Wilson wurde von der Band immer wieder zu Nachverhandlungen zu Capitol Records geschickt. Er war hartnäckig und übte Druck aus, er war unter anderem deshalb auch bei Capitol sehr unbeliebt.

 

Die Beach Boys wollten immer alles fest in ihrer Hand haben, deshalb kam es 1966 auch zur Gründung ihrer eigenen Plattenfirma „Brother Records“. Auch viele „neue Ideen“ der Beach Boys wurden zum finanziellen Fiasko. Allen voran die „Friends“ Tournee im Jahre 1968, als die Beach Boys mit dem Maharishi Mahesh Yogi, dem Vater der Transzendentalen Meditation welcher Mike Love verfallen war, auf eine gemeinsame Konzertreihe durch die USA gingen. Böse Zungen behaupteten hierbei, dass der einzige der ohne Verlust aus dieser Tournee herauskam, ein mitreisender Blumenverkäufer war.

 

Zum Wendepunkt kam es gegen Ende der 1960er Jahre. Der Vertrag mit Capitol wurde nicht mehr verlängert. Die Beach Boys wollten grundsätzlich nur noch einen Vertriebsvertrag mit Capitol abschließen, was denen allerdings nicht wirklich zusagte. Die Suche nach einer neuen Plattenfirma gestaltete sich schwierig. Die Beach Boys bekamen hierbei die Rechnung für die Jahre bei „Capitol Records“ präsentiert. Sie galten im Musikgeschäft als Eigensinnig, Unzuverlässig, wohl auch Streitbar und nicht kompromissbereit und auch nicht als Vertrauenswürdig.

 

Die Beach Boys verhandelten mit mehreren Plattenfirmen. Die deutsche Grammophon kam schließlich in die engere Auswahl und der Vertrag zwischen den Beach Boys und ihnen schien schon spruchreif zu sein. Für das nicht zustande kommen gibt es zwei Versionen. Die erste war, dass Brian Wilson auf einer Pressekonferenz mitteilte, dass die „Unternehmung Beach Boys“ bankrott sei. Die zweite weit verbreitete Meinung war, dass der Vertrag zwar fertig sei, Mike Love aber nicht nach Deutschland zur Unterzeichnung fliegen wollte und darauf bestand, den Vertrag in Los Angeles zu unterschreiben. Was der Grund auch immer war – der Vertrag kam nicht zustande.

 

Van Dyke Parks, seines Zeichens ein sehr geschätzter Mitarbeiter von Warner Bros, hielt Führsprache für die Beach Boys bei Warner Präsident Mo Ostin. Ostin war ohnehin ein großer Bewunderer des unveröffentlichten Smile Albums und war der festen Hoffnung, Smile veröffentlichen zu können wenn er die Beach Boys unter Vertrag nahm. Er setzte der Gruppe hierfür sogar einen Zeitpunkt – und als die Beach Boys bis zum 1. Januar 1973 das Smile Album nicht veröffentlichten, musste sie an Warner ein Bönale von 50.000 US-Dollar bezahlen.

 

Ab 1977 waren es vor allem Mike Love und Alan Jardine welche die Plattenfirma wechseln wollten. Sie flirteten ziemlich offen mit Epic Records und mit CBS. Dies führte auch dazu, dass Warner die letzten beiden Beach Boys Alben kaum mehr bewarb. Vor allem der Schachzug, bereits zu Beginn des Jahres 1977 einen neuen Plattenvertrag mit Caribou/CBS zu unterschreiben – der Ihnen 8 Millionen Dollar einbrachte – stellte sich als ungut heraus. Jardine/Love und deren Berater hatten scheinbar den alten Warner Vertrag nicht gelesen und wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Beach Boys Warner noch ein Album schuldig waren.  Eine Million aus diesem Vertrag dürfen die Beach Boys übrigens sofort für die abgesagte Europatournee bezahlen, nachdem der neue Beach Boys Manager Henry Lazarus die Hausaufgaben im Büro nicht erledigte.

 

Am 1.  September 1977 stand sogar kurzzeitig die Trennung der Band im Raum als die Beach Boys nach einer Show im New Yorker Central Park – Carl & Dennis gegen Alan & Mike – einen erheblichen Streit beginnen. Die Situation wird erst am 17. September wieder geklärt, als sich die Band in Brian Wilson´s Haus trifft – einerseits helfen wohl die Familienbande, andererseits auch die Tatsache, dass sie den Caribou-Vertrag wieder verlieren würden, eine entscheidende Rolle... bei den Aufnahmen zum „MIU“ Album – den letzten Album für Warner, sind Carl und Dennis fast nicht vertreten.

 

Caribou stärkte allerdings wieder den Wilson-Brüdern den Rücken. Beide Wilson Brüder hatten auch Solo-Verträge mit Caribou.

 

Erst als Caribou seinen Dienst im Jahre 1985 – nach dem Feuer auf der Ranch – einstellte, standen die Beach Boys ohne Plattenvertrag da. Ohne die Mitarbeit von Brian Wilson hatten sie keine wirkliche Möglichkeit mehr, an einen Plattenvertrag zu kommen – sie schafften es nur noch Projektbezogen mit einzelnen Singles. Einerseits offerierte ihnen Capitol Records noch einmal einen Vertrag für ein Album nach dem Überraschungserfolg von „Kokomo“. Hierbei wollte Capitol aber eine „Best of“ CD herausbringen mit drei neuen Beach Boys Liedern. Als Kompromiss einigte man sich schließlich darauf, dass die Beach Boys fünf neue Lieder beisteuern durften.

 

Danach hatten die Beach Boys mit Plattenverträge kein Glück. Das gänzlich ohne Brian Wilson´s Beteiligung aufgenommene Projekt „Summer In Paradise“ musste von den Plattenfirmen abgelehnt, so dass die Beach Boys es über Brother Records veröffentlichten. 1996 gab es schließlich das Angebot von Virgin Records an die Beach Boys, ein Album zu veröffentlichen – allerdings nur wenn 80 % des Liedgutes aus der Feder von Brian Wilson stammen würde und er das Album auch Co-Produzierte. Daraus wurde auch nichts.