Wandlung der Beach Boys

 

 

1967 hätten die Beach Boys die Hauptakteure beim Monterey Pop Festival sein sollen. Brian Wilson, der im Organisationskomitee vertreten war, sagte den Auftritt jedoch im letzten Moment ab. Da sie weiteres Material veröffentlichten mussten, flogen sie nach Hawaii um dort in zwei Shows Lieder für das Live Album Lei´d Hawaii aufzunehmen. Bruce Johnston machte diese Reise allerdings nicht mit, die Beach Boys konnten Brian Wilson überreden mitzukommen. Die Aufnahmen erwiesen sich im Nachhinein als unbrauchbar.

 

 Die Band begann mit den Aufnahmen zum Nachfolgealbum Wild Honey, die vollends in Brian Wilsons Heimstudio abgehalten wurden. Die Band brachte sich verstärkt in dieses Album mit ein. Die anderen Beach Boys spielten nicht nur zum ersten Mal seit langem wieder sämtliche Instrumente selbst ein, sondern waren in Teamarbeit auch an der Produktion beteiligt. Zudem arbeitete Brian Wilson als Komponist wieder verstärkt mit Mike Love und Al Jardine zusammen. Das Lied How She Boogalood It war schließlich das erste Stück, das ohne Zutun von Brian Wilson entstand.

 

Dieser Trend setzte sich auf dem im Juni 1968 erscheinenden Album Friends fort. Die meisten Lieder entstanden in Teamarbeit der drei Wilson-Brüder mit Al Jardine. Love hielt sich zu dieser Zeit zusammen mit den Beatles und Donovan in Indien auf, um dort von Maharishi Mahesh Yogi in Transzendentaler Medidation unterwiesen zu werden. Er brachte auch die anderen Bandmitglieder damit in Berührung und schrieb in Liedern sehr oft über diese Erfahrungen.

Dennis Wilson komponierte gemeinsam mit dem kalifornischen Lyriker Stephen Kalinich seine ersten Stücke, von denen er zwei auf Friends veröffentlichte. Wilson trat in der Folgezeit verstärkt als Komponist in Erscheinung,

 

Auf dem letzten Album der 1960er Jahre, 20/20, arbeitete Carl Wilson schließlich zum ersten Mal als Produzent. Brian Wilson ist nicht auf dem Schallplattencover abgebildet. Während Friends und 20/20 in den USA kommerziell erfolglos waren, hatten sie in Europa, vor allem in England, große Erfolge mit den Alben und deren Singles. Do It Again kam auf Platz 1 in Großbritannien, ein Jahr darauf folgte das von Jardine produzierte Cottonfields, das in fünf Ländern auf Rang 1 kletterte. Auch mit I Can Hear Music und Break Away, das Brian Wilson mit seinem Vater schrieb, waren sie in den britischen Top 10 vertreten.

 

Ab 1968 fanden mit Unterstützung von Begleitmusikern mehrere gutbesuchte ausgedehnte Tourneen durch Europa statt. Hierbei wurden im Gegensatz zu den Oldies, welche die Band in der Vergangenheit meist in ihrer Heimat vorgetragen hatte, größtenteils Stücke der neueren Alben gespielt.

 

Mit dem Jahr 1969 lief der Plattenvertrag bei Capitol Records aus. Die Beach Boys waren zwar interessiert daran, den Vertrag zu verlängern, wollten allerdings nur noch einen Vertriebsvertrag mit Capitol abschließen. Dies wollte die Plattenfirma nicht. Auf der Suche nach einer Plattenfirma verhandelten sie zunächst mit der Deutschen Grammophon verhandelt, der Vertrag allerdings doch nicht abgeschlossen. Leonard Waronker wollte die Beach Boys für Warner Bros. verpflichten. Van Dyke Parks, der seineszeichen bei Warner arbeitete, hielt für die Band Führsprache bei Präsident Mo Ostin ab, der ohnehin ein großer Fan des unveröffentlichten Smile Albums war. Er hoffte natürlich, dass bei einer Vertragsunterzeichnung mit der Band, auch das Smile Album das Tageslicht erblicken würde. Die Beach Boys erhielten somit einen langfristigen Vertrag bis ins Jahr 1978, welches die Produktion von insgesamt 8 Alben beinhaltete. Der „Knebelvertrag“ von Capitol (20 Alben in 7 Jahren) war somit Geschichte. Den Beach Boys wurden zudem erhebliche Freiheiten zugestanden.

 

Die Aufnahmen zum ersten Album für Warner zogen sich in die Länge. So erschien zunächst nur die Single Add Some Music to Your Day. Das dazugehörige Album sollte bereits im Frühjahr 1970 veröffentlicht werden, wurde aber für weitere Überarbeitungen mehrmals zurückgehalten. Nach einer weiteren Singleauskoppelung (Slip on Through/This Whole World) wurde schließlich am 31. August 1970 Sunflower veröffentlicht. Das Album erreichte in Großbritannien Platz 29, kam jedoch in den USA über Platz 151 der Billboard-Charts nicht hinaus. Dieses Album enthält Kompositionen von sämtlichen Band-Mitgliedern mit Ausnahme von Carl Wilson, der wieder verstärkt als Produzent auftrat.

 

Da die Beach Boys und ihr Publikum älter geworden waren, versuchte die Band die Musik nach den Hörgewohnheiten ihres Publikums auszurichten. Demzufolge änderten sich der Stil und die Themen der Lieder. Es wurde verstärkt die Zerstörung der Umwelt und deren Schutz angesprochen. Ebenso war die Transzendentale Meditation weiterhin ein Thema. All diese Einflüsse wurden auf dem Nachfolgewerk Surf’s Up spürbar, auf dem Carl Wilson sein Debüt als Komponist gab. Verstärkt wurde dieser Einfluss durch den neuen Manager Jack Rieley, der sich als Texter in die Band einbrachte. Surf’s Up verkaufte sich in den USA und in Europa wesentlich besser als die vorangegangenen Alben. Die Bandmitglieder hatten sich musikalisch weiterentwickelt, so dass jeder fähig war, mehrere Instrumente zu spielen und Lieder zu produzieren.

1972 verstärkte sich die Band mit den südafrikanischen Musikern Blondie Chaplin an der Gitarre und Ricky Fataar am Schlagzeug, die zuvor der Band The Flame angehört hatten. Die Neuaufnahme der Mitglieder war notwendig geworden, da Bruce Johnston von der Band entlassen worden war und sich Schlagzeuger Dennis Wilson eine schwere Handverletzung zugezogen hatte. In dieser Besetzung nahm die Band das Album „Carl and the Passion – So Tough“ auf und fasste nach einer weiteren Europatournee den Entschluss, das nächste Album in den Niederlanden aufzunehmen, wo sie sich besonderer Popularität erfreuten. Die Beach Boys verbrachten insgesamt sechs Monate mit den Arbeiten zu Holland, für die eigens ein Studio aus den Vereinigten Staaten eingeflogen wurde. Das Album aus dem Jahr 1973 verkaufte sich sowohl in Europa als auch in den USA gut. Zudem erschien das Album In Concert mit Mitschnitten aus der Europatournee desselben Jahres, das für die Band zur ersten goldenen Schallplatte der 1970er-Jahre wurde.