Smile – Das Klavier im Sandkasten

 

Ab Mai 1966 begann Wilson an einem neuen Projekt zu arbeiten, für das er Van Dyke Parks als Texter engagierte. Zuerst nannte er es Dumb Angel, später benannte er es in Smile um. Um das richtige Gefühl für neue Lieder zu bekommen, ließ er in seinem Wohnzimmer einen Sandkasten um sein Klavier herum aufstellen, um beim Klavierspielen den Sand unter den Füßen fühlen zu können und sich davon inspirieren zu lassen.

 

 

Brian hatte die Idee, eine „Teenage Symphonie for God“ zu erschaffen, welche in mehreren Teilen die Geschichte Amerikas aufarbeiten sollte. Zudem wollte er die vier Elemente musikalisch darstellen.

 

Der erste Song, den Brian und Van Dyke gemeinsam für das „Smile“ Album schrieben war „Surf´s up“. Parks zerrte Brian weg von den Themen Romantik und Liebe, hin zu freien Wortassoziationen und elliptischen Bildern. Er meinte, dass sich nicht jede Musik zum Tanzen eignen müsste. Bereits „Good Vibrations“ hatte zu Protesten von Fans geführt. Vater Murry Wilson, der sehr oft Aufnahmen beiwohnte, und eine Minderheit von Pop-Fans, waren der Meinung, dass sich diese Art von Musik niemals durchsetzen würde, da sie sich nicht zum Tanzen eignete. Und viele Menschen fühlten sich durch die Tempowechsel auf der Tanzfläche etwas verunsichert.   

 

„Surf´s up“ eignete sich nicht zum Tanzen, ist aber trotzdem ein wunderbarer Song und eines der Eckpunkte von „Smile

 

Die Inhalte der Stücke aus dieser Zusammenarbeit waren wesentlich komplexer als Wilsons bisherige Werke und erregten den Unmut der Bandmitglieder und Plattenfirma. Vor allem Mike Love kritisierte den neuen Stil, die für ihn zu weit vom eigentlichen Stil der Band entfernten Klangbilder und Texte, und die seiner Ansicht nach für Livedarbietungen zu anspruchsvollen Lieder. Capitol Records war mit den ersten Hörproben alles andere als zufrieden, da sie nach Pet Sounds wieder ein Album kommerziell verwertbareren Surf-Songs forderte. Da es darüber hinaus zu einem Handfesten Streit kam, wurde Beach Boys Manager Nick Grillo dazu beauftragt, für die Band eine eigene Plattenfirma zu gründen. „Brother Records“ war das Ergebnis, das Brian Wilson eine Plattform für seine musikalischen Experimente geben sollte.

 

Beim nächsten Stück „Heroes & Villains“ hatte Brian bereits Probleme. Das ursprünglich 12 Minuten lange dauernde Werk wurde immer wieder umgeschrieben, da Brian mit keiner wirklichen Fassung zufrieden war. Auch die Aufnahmen der Stücke gingen nur sehr schleppend voran. Brian war mit vielen Dingen nicht zufrieden und versuchte immer wieder neues Einzubinden. Die Wahl der Instrumente wurde noch untypischer als sie es bei Pet Sounds waren.

 

Während der Aufnahmen zum Lied „Cabinessence“ kam es im Studio zum Streit zwischen Mike Love und Van Dyke Parks. Love kritisierte vor allem den Text. Er sah Parks an und zitierte: „Over and over the crow cries uncover the cornfields“… Was bedeutet das? Erkläre es mir?“ Parks war der ständigen Kritik der er ausgesetzt war müde geworden. Er beendete somit die Partnerschaft mit Wilson und die beiden Musiker gingen unverrichteter Dinge auseinander.

 

Durch den Drogenkonsum, den Verlust seines Partners sowie die anhaltende Kritik war Brian Wilsons Wille, das Projekt zu beenden, endgültig gebrochen. Zudem wurden neue Veröffentlichungen zurückgehalten, da die Band mit der Plattenfirma aufgrund vorenthaltener Tantiemen und den Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung im Streit lag. Als die Plattenfirma im Juni 1967 endlich bereit war Smile zu veröffentlichen, hatten die Beatles bereits mit dem Konzeptalbum Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ihre Antwort auf Pet Sounds veröffentlicht. Da Smile ebenfalls als Konzeptalbum konzipiert war, weigerte sich Brian Wilson – um nicht als Nachahmer angesehen zu werden – das Album, das ohnehin noch nicht fertig war, zu veröffentlichen. Lange Zeit hielten sich Gerüchte, dass die fertigen Aufnahmen von Wilson vernichtet worden waren – dies stellte sich allerdings als unrichtig heraus, da die Bänder Jahre später im Archiv von Brother Records wieder auftauchten.

 

Seit Mai 1966 war kein neues Beach Boys Material erschienen. Die Plattenfirma reagierte, dass sie eine weitere Hitkompilation veröffentlichten.

 

Die Beach Boys koppelten unterdessen das Lied Heroes and Villains als Single über ihre eigene Plattenfirma aus, das immerhin den zwölften Platz der Billboard-Charts erreichte.

Die Band begann schließlich, an Smiley Smile zu arbeiten, das neben den veröffentlichten Singles meist improvisierte Stücke enthielt, die rasch aufgenommen wurden oder erst während der Sessions entstanden. Der Produktionscredit auf diesem Album lautet zum ersten Mal „produziert von den Beach Boys“. Brian Wilson zog sich von diesem Zeitpunkt an verstärkt aus der Öffentlichkeit und von der Band zurück.