Pet Sounds

 

Der bisherige Erfolg, neue Freunde und die Konkurrenz zu den Beatles weckten Brian Wilsons Ehrgeiz: In den frühen 1960er-Jahren war es üblich, einige „Albumfüller“ auf den LPs zu veröffentlichen. Wilson beschloss, von dieser Praxis abzuweichen und begann eine LP zu kreieren, die von Anfang bis Ende nur qualitativ hochwertige Stücke enthalten sollte. Er nahm sich vor, das „größte Rock-’n’-Roll-Album aller Zeiten“ zu kreieren. Inspirieren ließ er sich nach eigenen Worten dabei unter anderem vom Beatles-Album Rubber Soul. Um dieses Ziel zu erreichen, beschritt Wilson neue Wege. So wollte er sich entgegen den Vorstellungen der Plattenfirma für die Aufnahmen mehrere Monate Zeit nehmen. Um die Lücke an Veröffentlichungen zu überbrücken, einigte man sich auf das Album „Beach Boys’ Party!“. Darauf wurden akustische Coverversionen aufgenommen und diese zwecks Vermittlung einer vorgeblichen Livesituation durch Partygeräusche ergänzt.

 

Das Album verkaufte sich in Europa und Großbritannien sehr gut. Die Beach Boys wurden auf eine ausgedehnte Tournee durch Europa und Japan geschickt. Dies gab Wilson die Zeit, an seinem kommenden Werk zu arbeiten. Wilson komponierte die Stücke und erarbeitete die Texte dazu mit Tony Asher, welcher dessen Gedanken in konkrete Songtexte transformierte. Es war dies das erste Projekt überhaupt, in dem Brian bewusst nach einem Partner für ein gesamtes Album Ausschau gehalten hatte.

 

Für die Aufnahmen der Stücke engagierte er die besten Studiomusiker von Los Angeles für die Einspielung der Instrumentalspuren und „dirigierte“ teilweise bis zu 40 Musiker, um den ihm vorschwebenden „perfekten Klang“ zu erzeugen. Er versammelte ein gesamtes Orchestra und redete so lange auf die klassisch ausgebildeten Musiker ein, bis sie ihre Vorbilder und Idole vergaßen und so spielten, wie Brian es wollte.

 

Wilson komponierte, arrangierte und produzierte die Stücke im Alleingang.. Pet Sounds hatte mit den üblichen Themen der Beach Boys – Surfen, Sonne, Mädchen, Autos – nichts zu tun. Die Themen waren erwachsene Gefühle, autobiographische Texte. Das Album sollte die Kindheit und den Verlust der Unschuld aufarbeiten. Teil Symphonie, teils Rhapsodie, teils Gebet, drückt jeder Song eine Emotion und eine gewisse Stimmung aus, Brians intimste Gefühle werden offen gelegt. Ebenso seine Wünsche, Träume und Ängste. Eine tief empfundene Heimatlosigkeit in Zeit und Ort wird sichtbar. Und auch der Gedanke, dass sich Menschen dadurch definieren, wie sie auf andere Menschen wirken und sich in der Liebe verwirklichen können. Die Suche nach dem Glück, wird schließlich in einer einzelnen Zeile definiert: „God only knows what I be without you....“

 

Brian spielte mit Klang und Instrumenten und hatte die Fähigkeit, untypische Instrumente miteinander zu kombinieren und in 6-teiligen Harmonien zu denken. Zahlreiche untypische Instrumente wie Waldhörner, Piccolos und eine Kirchenorgel fanden den Weg auf das Album, ebenso wie eine Fahrradklingel, Plastikflaschen, ein vorbeifahrender Zug und Brian´s Hunde. Gerüchten zufolge, hatte Brian sogar kurzzeitig die Idee, ein Pferd ins Studio mitzunehmen

 

Die Beach Boys waren geteilter Meinung über das Album. Während Dennis und Bruce begeistert waren, hatte Mike bedenken, dass den Fans dieser Stilwechsel nicht gefallen würde. Er gab auch zu bedenken, dass es sich eher um ein Brian Wilson Soloalbum handelte, mit den Beach Boys als Gastsängern.

 

Die Plattenfirma war mit diesem Stilwechsel alles andere als zufrieden und wollte das Album anfänglich nicht veröffentlichen. Nach einigem zögern stimmten sie schließlich doch zu. Sie bewarben das Album allerdings kaum und brachten fast zur selben Zeit eine Hit-Zusammenstellung „The Best of the Beach Boys“ heraus. Da die Plattenfirma bei Nachbestellungen diese Kompilation und nicht Pet Sounds auslieferte, galt das Album schon bald als Sammlerstück. Und diese gesamten Faktoren dürften wohl dazu geführt haben, dass Pet Sounds über einen zehnten Platz nicht hinaus kam.

 

In England, wo das Album von EMI vertrieben und beworben wurde, kamen die Beach Boys auf den zweiten Rang und wurden durch Pet Sounds endgültig zu Superstars.

 

 

Für die nächste Single Good Vibrations führte Brian Wilson ab Februar 1966 über sechs Monate hinweg unzählige Aufnahmen in vier verschiedenen Studios durch, um die unterschiedlichen Studioklänge zu nutzen und die einzelnen Teile anschließend zusammenzuschneiden. Der Song war bereits während der Pet-Sounds-Sessions bearbeitet worden, wurde jedoch von Wilson nicht für das Album verwendet. Im Oktober 1966 erschien der Song als Single und kletterte in den USA und Großbritannien auf Platz 1, in Deutschland auf Platz 8.