Erste Jahre bei Capitol Records

 

Um die Kompositionen von Brian schützen zu können, gründete Murry Wilson mit seinem Sohn eine eigenen Musikverlag welcher unter den Namen „Sea of Tunes“ eingetragen wurde. Beteiligt daran sind allerdings nur Brian und Murry. Capitol A&R Mann Nick Venet teilte sich selber als Produzent der Gruppe zu.

 

Im Oktober 1962 veröffentlichten Sie das Debütalbum Surfin’ Safari welches in nur drei Tagen in den Capitol Studios während einer kurzen Tourneeunterbrechung aufgenommen wurde. Die Gruppe ist nicht besonders glücklich über diese Arbeitsweise. Die Beach Boys unterschreiben bald darauf einen neuen Plattenvertrag bei Capitol Records welcher sie insgesamt 7 Jahre an die Plattenfirma bindet. 

 

Nur vier Monate nach dem Debütalbum erschien  bereits der nächste Longplayer, Surfin’ U.S.A., dessen Titellied Platz 3 der Billboard-Charts erreichte. Der Terminplan von Capitol ist strickt – die Beach Boys sind entweder auf Tournee, bei Promotationsterminen oder im Studio.  Die anstehende Mai-Tournee fand ohne Brian Wilson statt, der dies mit gesundheitlichen Problemen begründete. Alan Jardine nahm das Angebot Brian Wilsons gerne an, ihn als Bassist auf der Tournee zu ersetzen. Als David Lee Marks kurze Zeit darauf die Band verließ, um die High School zu beenden, übernahm Jardine wieder den festen Platz an der Rhythmusgitarre

.

Mit der Arbeit von Venet, der die ersten beiden Studioalben pro forma produziert hatte, waren die Beach Boys unzufrieden. Vor allem Brian Wilson kritisierte, dass Venet ohne Rücksprache mit der Band deren Sound verändere. Murry Wilson war zudem der Meinung, dass bei Capitol Records niemand wusste, wie Rock ’n’ Roll zu produzieren wäre. Obwohl es zu jener Zeit unüblich war, setzten die Beach Boys durch, sich künftig selbst produzieren und außerhalb des Capitol-Records-Studios arbeiten zu dürfen. Das dritte Album Surfer Girl war ihr erstes Album, auf dem der Aufdruck „produziert von Brian Wilson“ stand. Es wurde zum größten Teil wieder in den Western Studios von Los Angeles aufgenommen.

Der schnelle Erfolg der Gruppe, die in den USA zur „Teenagersensation“ aufstieg, führte dazu, dass sie mehrmals im Jahr auf ausgedehnte Konzerttourneen geschickt wurden, Fernsehauftritte zu bewältigten hatten und weiteren Verpflichtungen nachkommen mussten. Zudem verlangte ihre Plattenfirma neues Material, welches meistens in den sehr kurzen Tourneepausen eingespielt wurde. Vor allem Brian spürte den Druck da sie fast ständig auf Tournee waren und er nebenbei sämtliche Lieder für die Band komponiere und zudem auch als Produzent für die Band verantwortlich war. Brian benutzte jeden Vorwand um den Konzerten fern zu bleiben und im Studio zu arbeiten.

Zwischen 1963 und 1965 hatten die Beach Boys 20 Top-40-Singles und mit I Get Around 1964 ihre erste Nummer 1.  In den ersten beiden Jahren ihres Bestehens veröffentlichten sie insgesamt sieben Alben. Sie platzierten zeitweise bis zu fünf Alben gleichzeitig in den Charts, darunter 1964 das Beach Boys Concert als erstes ihrer Alben auf Platz 1. Zu dieser Zeit trennte sich die Band wegen musikalischer Meinungsverschiedenheiten und seines autoritären Stils endgültig vom Manager Murry Wilson.

 

Brian Wilsons zunehmend komplexer werdende Arrangements bedingten den vermehrten Einsatz von Studiomusikern. Er schrieb außerdem Songs für andere Bands, darunter den Nummer-eins-Hit Surf City von Jan and Dean. Die enorme Menge an Veröffentlichungen, der auf ihm lastende Erfolgsdruck neue Lieder zu komponieren und zu produzieren sowie das ungewollte Leben auf Tournee forderten ihren Tribut: Wilson erlitt 1964 kurz vor Weihnachten auf dem Weg zu einem Konzerttermin in Houston, Texas, einen schweren Nervenzusammenbruch. Als Ersatzmusiker für Wilson konnte die Band Glen Campbell gewinnen, der bereits an mehreren Beach-Boys-Studioaufnahmen mitgewirkt hatte. Im Januar 1965 kündigte Brian Wilson offiziell seinen Rücktritt vom Tourleben an, um sich ganz auf die Komposition und Produktion neuer Stücke zu konzentrieren. Campbell, der neben seinen instrumentalen Fähigkeiten auch die Falsettstimme beherrschte, die ansonsten Wilson sang, lehnte trotzdem eine Vollmitgliedschaft in der Band ab. Er war ein gefragter Studiomusiker und wollte zudem an seiner Solokarriere arbeiten. Als kleines „Danke“ produzierte Wilson ein Lied für Campbell der sich zwischen den angebotenen Liedern „Sherry She needs me“ und „Guess I am dumb“ entscheiden durfte. Er wählte letzteres. Obwohl ihm mit diesem Stück kein kommerzieller Erfolg vergönnt war, konnte er sich zumindest über einen TV-Auftritt freuen.

 

Im April 1965 nahm schließlich Bruce Johnston  den Platz als vollwertiges Bandmitglied ein, nachdem er auf Anfrage der Band erfolglos nach einer Ersatzbesetzung gesucht hatte.

Die Gruppe ging auf Tournee, während Wilson in Los Angeles blieb, neue Lieder schrieb und diese mit Studiomusikern aufwändig produziert einspielte. Die Band steuerte danach den Gesang oder einzelne Instrumentalspuren bei. Bei den neueren Stücken lag der Fokus von Brian Wilson nicht mehr auf dominierenden Gitarren, sondern es wurden verstärkt Keyboards und ein aufwändigeres Schlagzeug eingesetzt. Wilson legte zudem weitaus mehr Wert auf ausdrucksstärkere Texte. The Beach Boys Today zeigt die Weiterentwicklung von Wilson als Komponist und Produzent – es enthält auf der A-Seite eingängige Pop-Songs und auf der B-Seite traurige Balladen. Dieser Trend wurde auf dem Album Summer Days (and Summer Nights!!), das Stücke wie California Girls und den zweiten Nummer-eins-Hit der Band Help Me, Rhonda enthält, fortgesetzt. Neben Brian hatte sich auch sein Bruder Carl Wilson musikalisch deutlich weiterentwickelt und wurde bei Konzerten zu dessen verlängertem Arm.